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Begeistert wirkt der Blick des Alten nun wirklich nicht, eher mürrisch. Er fühlt sich gestört, der „Gelehrte im Studierzimmer“, von unseren Blicken, von uns. Eben noch las er in einem der mächtigen Folianten, gekleidet in glänzenden Samt mit glitzernden Goldappreturen. Jetzt wendet er uns den Blick zu, nimmt Kontakt auf. Jede Falte in Gewand und Gesicht, jeder Pinselstrich ausdrucksvoll – ob Barthaar um Barthaar, durchscheinende Haut oder runzelige Fingerkuppen.

Obwohl das Gemälde bereits 385 Jahre alt ist, wirkt es lebendig und fesselnd auf mich. Und was noch mehr zählt: Auch auf unsere fünf Teens und Twens, die sich anfänglich nur mühsam zum Besuch der Ausstellung „Inside Rembrandt“ in Köln bewegen ließen. Nun blicken sie beinahe begeistert, zumindest neugierig in die Gesichter, die Rembrandt Harmenszoon van Riijn von der Leinwand in die Gegenwart katapultiert. Dabei zeigen seine Bilder im Wallraf-Richartz-Museum vor allem Greise. Ohne jede Scheu vor Herb-Schönem, vor Melancholie und Hässlichkeit blickt er tief ins Menschliche. Und als wir schließlich vor seinem Selfie „lachendes Selbstbildnis“ stehen, entwickelte sein Gesicht eine so magische Präsenz, dass wir ganz sicher sind: Der lacht uns aus. Und das noch bis zum 1. März 2020.

Zur Ausstellung: https://www.wallraf.museum/ausstellungen/aktuell/2019-11-01-inside-rembrandt/

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